Test in Bremerhaven: Kraftprotz fährt mit Wasserstoff
Radlader startet Real-Test in Bremerhaven im Rahmen des H2B:IMPACT Projektes
Sauberer Antrieb für schwere Maschinen: Das ist die Idee für einen Test, der im Bremerhavener Fischereihafen anläuft. Die Firma Liebherr hat dafür einen großen Radlader mit Wasserstoffantrieb an die Weser geschickt.
von Ursel Kikker 7. Oktober 2026
„Grüner“ Wasserstoff (H2), der mit Hilfe von regenerativen Energien produziert wird, als klimafreundlicher Kraftstoff für Baufahrzeuge steht im Mittelpunkt eines Versuchs im Bremerhavener Fischereihafen. Gemeinsam mit dem Tiefbau-Unternehmen Georg Grube wird der Fahrzeughersteller Liebherr in den kommenden Monaten einen großen, schweren Radlader mit Wasserstoff-Motor im Alltagsbetrieb testen.
Den aus Ökostrom erzeugten Wasserstoff liefert die Bremerhavener Green Fuels GmbH. Deren Geschäftsführer Andreas Wellbrock hat die Projektbeteiligten zusammengebracht. „Der Fischereihafen ist ein idealer Versuchsstandort“, ist Wellbrock überzeugt, „zum einen agieren hier Unternehmen mit einem großen Interesse an dem Thema; zum anderen existiert hier bereits eine gute Infrastruktur für die Versorgung mit grünem Wasserstoff.“
Eigene Wasserstofftankstelle aufgebaut
Ursprünglich wollten die Projektbeteiligten den XXL-Radlader extern in einem Sandabbaugebiet im Landkreis Cuxhaven einsetzen und betanken. Doch das funktionierte aus technischen Gründen nicht; die passende Stromleitung fehlte. Nun steht eine Wasserstofftankstelle in der Nachbarschaft von Grube beim Testfeld Hydrogen Lab des Fraunhofer IWES auf dem ehemaligen Bremerhavener Flughafen. Eine Produktionsanlage für Wasserstoff arbeitet in Bremerhaven-Speckenbüttel unter einer Windenergie-Anlage.
3,25 Meter breit ist der Radlader aus dem Test.
Der Riese fährt von Grube in der Dockstraße über eine vorhandene Schwerlasttrasse zum Tanken zum einstigen Flugplatz Luneort. Die Wasserstoff-Tankstelle nahe der Autobahnabfahrt Zentrum wäre keine Alternative gewesen. Der Weg ist zu weit, und für den 3,25 Meter breiten, tonnenschweren Kraftprotz hätten sie regelmäßig Tieflader und Ausnahmegenehmigung gebraucht, erläutert Wellbrock. Nicht praktikabel.
Radlader wird auf Alltagstauglichkeit geprüft
In dem von der Clean Hydrogen Partnership der Europäischen Union geförderten Versuch kommt ein Großradlader von Liebherr zum Einsatz – laut Wellbrock ein Prototyp aus Österreich. Er gilt als weltweit erstes Fahrzeug dieser Art, das mit einem Wasserstoff-Kolbenmotor ausgestattet ist. Der Radlader mit einem Einsatzgewicht von 24 bis 32 Tonnen soll während des regelmäßigen Dauerbetriebs bei Grube auf seine Alltagstauglichkeit getestet werden.
Wie andere Branchen steht auch der Bausektor vor der Herausforderung, seine Maschinen und Fahrzeuge künftig klimaneutral zu betreiben. „Grüner Wasserstoff bietet sich dafür an“, ist Wellbrock überzeugt. Angesichts der Gewichte und Massen, die die Fahrzeuge zu bewegen haben, kämen batterieelektrische Alternativen nicht infrage.
Neues Projekt für den Teststandort
Nach einer ersten Testreihe in Österreich wurde Bremerhaven wegen der guten Wasserstoff-Infrastruktur im Fischereihafen als Versuchsstandort ausgewählt. „Außerdem sprach natürlich dafür, dass dort mit Wolfgang Grube ein Unternehmer aktiv ist, der dem Thema sehr aufgeschlossen gegenübersteht“, wird Wellbrock in einer Pressemitteilung zitiert.
Als Betreiberin des Gewerbe- und Industriegebietes „Fischereihafen“ wurde auch die FBG Bremerhaven eingeschaltet. Sie erteilte eine Sondergenehmigung für die Nutzung der Schwerlasttrassen im Versuchsgebiet. Der Radlader muss regelmäßig vom Grube-Betriebsgelände zur Wasserstoff-Tankstelle fahren.
„Dieses Projekt unterstützt die Initiative der Wirtschaft im Fischereihafen, konkrete Maßnahmen zur Reduzierung von CO₂-Emissionen umzusetzen“, betont FBG-Geschäftsführerin Petra Neykov. (kik/pm)
Bildquelle: © Green Fuels GmbH